Nature Journaling bedeutet für mich nicht nur draußen schöne Dinge zu zeichnen. Mein Skizzenbuch ist auch mein Lernort.
Während meiner Wildnis-Mentor-Ausbildung habe ich begonnen, mich mit dem Nature Journaling zu beschäftigen. Gleichzeitig bereite ich mich auf meine Prüfung zum Pilzcoach im November 2026 vor. Beides kann ich miteinander verbinden. Statt Pilzmerkmale einfach aus Büchern zu lernen, begann ich sie zu zeichnen, um sie mir dadurch besser einprägen zu können.
Für meine ersten Seiten habe ich Pilzpaare ausgewählt, bei denen es besonders wichtig ist, genau hinzuschauen.
Echter Pfifferling und Falscher Pfifferling:

Beim Zeichnen nebeneinander kann ich mich ganz bewusst mit den Unterschieden beschäftigen: Form, Farbe, Hutunterseite, Lamellen bzw. Leisten und weitere Merkmale. Das ist etwas ganz Anderes, als nur zwei Fotos in einem Pilzbuch anzuschauen. Ich muss mir überlegen, was genau diese beiden Pilze unterscheidet.
Hallimasch und Grünblättriger Schwefelkopf:

Auch hier hilft mir die direkte Gegenüberstellung. Welche Merkmale kann ich bereits auf den ersten Blick erkennen? Welche muss ich mir genauer anschauen? Und welche Merkmale sind für die sichere Bestimmung tatsächlich relevant?
Pantherpilz und Rötender Wulstling:

Gerade bei solchen Doppelgängern wird mir bewusst, wie wichtig es ist, nicht nur nach einem einzelnen Merkmal zu gehen. Beim Zeichnen kann ich die Merkmale Stück für Stück nebeneinanderstellen und mich damit auseinandersetzen.
Neben den einzelnen Pilzpaaren habe ich noch eine weitere Seite gestaltet. Darauf habe ich verschiedene wichtige Doppelgänger und Giftpilze gesammelt, die ich für meine Pilzcoach-Prüfung besonders gut kennen möchte:

Diese Seite ist für mich inzwischen fast wie eine persönliche Lernübersicht. Ich kann sie immer wieder anschauen und versuchen, die Pilze anhand ihrer wesentlichen Merkmale aus dem Gedächtnis zu erkennen.
Ich merke beim Nature Journaling immer wieder, dass ich mich mit einem Motiv ganz anders beschäftige, sobald ich es zeichne. Wenn ich die Unterseite eines Pilzes zeichne, frage ich mich: Sind das Lamellen oder Leisten? Wie stehen sie? Wie sehen sie aus? Wie gehen sie in den Stiel über? Und wenn ich den Stiel zeichne, beschäftige ich mich automatisch mit seiner Form, dem Ring, der Stielbasis oder anderen wichtigen Merkmalen. Das Zeichnen zwingt mich länger und genauer hinzuschauen und die Merkmale bewusst wahrzunehmen. Und genau deshalb bleibt manches besser im Gedächtnis.
Ich finde es schön, wie mein Skizzenbuch dadurch immer mehr zu etwas Eigenem wird. Es enthält nicht einfach nur hübsche Naturzeichnungen. Es dokumentiert, was mich gerade beschäftigt und was ich lernen möchte. Mal ist es eine Pflanze, mal eine Beobachtung von meinem Sitzplatz, und hier waren es Pilze.
Bis zu meiner Pilzcoach-Prüfung im November werde ich sicher noch einige Pilze zeichnen und vergleichen. Vielleicht kommen noch weitere wichtige Doppelgänger dazu. Vielleicht entdecke ich beim Zeichnen Merkmale, die ich bisher übersehen habe. Und vielleicht werde ich irgendwann auf diese ersten Pilzseiten zurückschauen und sehen, wie viel ich seitdem gelernt habe. Bis dahin bleiben sie genau das, was sie für mich gerade sind. Mein persönlicher Lernort auf Papier.
