Zu den grundlegenden Fähigkeiten, die gleich zu Beginn der Wildnis-Mentor-Ausbildung vermittelt und geübt werden, gehört das sichere Entfachen eines Feuers unter einfachen Bedingungen. Feuer spendet Wärme, ermöglicht das Kochen von Nahrung und kann in Notsituationen von großer Bedeutung sein. Vor allem aber schult die Beschäftigung mit Feuer Aufmerksamkeit, Geduld und den bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Bei meinem ersten Versuch, ein Feuer mit nur einem einzigen Streichholz zu entzünden, wurde mir schnell klar, dass dabei weit mehr gefragt ist als das Anzünden einer Flamme. Die sorgfältige Auswahl des Zunders, die Vorbereitung des Brennmaterials und das Verständnis für die Bedingungen vor Ort entscheiden darüber, ob aus einem Funken tatsächlich ein Feuer entsteht.
Für diesen Versuch habe ich alle Materialien während meiner Morgenrunde mit dem Hund gesammelt und dabei einmal mehr erlebt, wie viel die Natur bereithält, wenn man lernt, genauer hinzusehen.
Als Zunder entschied ich mich für Birkenrinde und trockene Kiefernnadeln, da beides entlang meines Weges reichlich vorhanden war. Zusätzlich sammelte ich Reisig sowie Äste in verschiedenen Stärken, die das Feuer hoffentlich über längere Zeit am Brennen halten sollten.
Allerdings hatte ich die Rechnung ohne die Bedingungen vor Ort gemacht. Es war feucht, und ein leichter Wind machte die Sache nicht einfacher. Die Birkenrinde zeigte zwar eindrucksvoll, warum sie als hervorragender Zunder gilt (sie brannte sofort lichterloh), doch der Rest des Vorhabens verlief zunächst nicht ganz nach Plan.
Meinen Versuch startete ich in der Feuerschale im Garten. Nachdem ich alle Materialien sorgfältig von klein nach groß aufgebaut hatte, den Zunder in der Mitte, direkt umgeben von den dünneren und dann den stärkeren Ästen, entzündete ich die Birkenrinde mit dem Streichholz und versuchte, die Flamme in das Zundernest zu übertragen. Leider wurde die Birkenrinde dabei regelrecht „erstickt“, bevor das Feuer richtig greifen konnte.




Also begann ich noch einmal von vorn. Ich baute die Konstruktion auseinander und konzentrierte mich zunächst nur auf das Zundernest. Dieses ließ sich erfolgreich entzünden. Anschließend legte ich nach und nach weiteres Material auf das entstehende Feuer. Diesmal funktionierte es. Mit viel Geduld und noch mehr Pusten gelang es mir schließlich, die Flammen zu einem stabilen Feuer wachsen zu lassen. Es brannte sogar rund 30 Minuten lang. Das Video dazu ist bei Instagram zu bewundern 🙂

Das fühlte sich zunächst wie ein großer Erfolg an. Doch ganz bestanden habe ich die Aufgabe damit noch nicht. Die Vorgabe lautet, das Feuer vollständig aufzubauen und anschließend mit nur einem Streichholz, und ohne zusätzliches Pusten (!) zum Brennen zu bringen.
Genau das ist nun die nächste Stufe, die ich erreichen möchte.
