Pflanzen, Pilze, Bäume, Tiere, eigentlich gibt es für mich in der Natur ständig etwas zu entdecken. Aber irgendwann kam der Wunsch dazu, meine Beobachtungen nicht nur im Kopf zu behalten, sondern sie zeichnerisch festzuhalten.
Und so bin ich beim Nature Journaling gelandet.
Im Rahmen meiner Wildnis-Mentor-Ausbildung ist Nature Journaling ein Teil meiner Auseinandersetzung mit der Natur. Dabei geht es nicht darum, ein perfektes Abbild der Natur zu zeichnen. Viel wichtiger ist das genaue Beobachten: Was sehe ich? Was fällt mir auf? Was verändert sich? Welche Fragen entstehen?
Also habe ich mir ein Skizzenbuch gekauft. Aber ich wusste gar nicht, wie ich anfangen sollte. Was gehört hinein? Zeichne ich eine ganze Pflanze oder nur Teile davon? Soll ich möglichst naturgetreu zeichnen? Welche Informationen schreibe ich dazu? Und vor allem: Kann ich das überhaupt?
Ich habe mich hingesetzt und ausprobiert. Die ersten Seiten waren für mich vor allem eine Übung darin, mich auf ein einzelnes Objekt zu konzentrieren. Relativ schnell habe ich gemerkt, dass das Zeichnen selbst meine Wahrnehmung verändert.
Wenn ich eine Pflanze einfach anschaue, habe ich schnell das Gefühl, sie zu kennen. Wenn ich sie aber zeichnen möchte, ist das plötzlich nicht mehr so einfach. Wie genau ist die Blattform? Wie sitzen die Blätter am Stängel? Wie viele Blütenblätter sehe ich tatsächlich? Wo beginnt der nächste Trieb? Welche Farbe hat das Blatt wirklich?
Und schon schaue ich viel genauer hin. Das Zeichnen wird zur Entschleunigung. Ich muss nicht schnell weiter. Ich darf mich mit diesem kleinen Ausschnitt der Natur eingehend beschäftigen.
Auf meinen ersten Seiten habe ich ganz unterschiedliche Dinge ausprobiert: Pflanzen, Blätter, Details und kleine Beobachtungen.






Manche Zeichnungen gefallen mir besser als andere. Manche sind genauer, andere eher skizzenhaft. Einige sind unvollendet. Und genau das möchte ich auch beibehalten. Mein Nature Journal soll kein Portfolio perfekter Zeichnungen werden. Es soll mich daran erinnern, was ich draußen entdeckt habe.
Deshalb habe ich auch angefangen, Notizen dazuzuschreiben, Fragen, kleine Pfeile, Beschreibungen und manchmal Dinge, bei denen ich selbst noch gar nicht weiß, was ich da eigentlich entdeckt habe.






Je mehr ich mich damit beschäftige, umso klarer wird mir: Es gibt keine Regeln. Eine Seite kann eine Zeichnung enthalten oder mehrere kleine Skizzen. Ich kann einen Fund genauer untersuchen oder nur einen bestimmten Ausschnitt zeichnen. Ich kann Farben ausprobieren, Größen vergleichen oder eine Pflanze aus verschiedenen Perspektiven darstellen.
Und ich kann Fragen aufschreiben, ohne die Antwort darauf zu kennen! Warum wächst die Pflanze genau hier? Wer hat diese Fraßspuren hinterlassen? Warum ist das Gras hier niedergetrampelt? Damit wird das Nature Journal für mich immer mehr zu einer Mischung aus Skizzenbuch, Beobachtungsbuch und Forschungsheft.
Und das Wichtigste: Meine Zeichnungen müssen nicht perfekt sein. Ich muss keine Biologin oder Künstlerin sein, um ein Nature Journal zu führen. Im Gegenteil, eine schnelle, unperfekte Skizze mit ein paar Worten wird mich für immer daran erinnern, was ich in dem Moment erlebt und gefühlt habe.
Wenn ich meine ersten Seiten heute anschaue, sehe ich deshalb nicht nur Zeichnungen. Ich sehe meinen Anfang. Ich sehe, wie ich mich langsam an diese Art des Beobachtens herantaste und herausfinde, was für mich funktioniert.
Und ich bin gespannt, wie sich mein Nature Journal im Laufe meiner Wildnis-Mentor-Ausbildung verändern wird. Vielleicht werden die Zeichnungen genauer. Vielleicht werden die Notizen ausführlicher. Vielleicht werde ich irgendwann viel mehr Tiere, Spuren und Landschaften dokumentieren. Oder vielleicht bleibt manches ganz bewusst einfach und spontan. Ich weiß es nicht. Aber genau das ist das Schöne daran.
Ich muss noch nicht wissen, wohin die Reise geht. Ich muss nur anfangen hinzuschauen.
